etwas sagen
"Was willst du mir damit sagen?" Gar nichts. Jemandem etwas sagen ist gerichtet auf eine Person. Darum geht es nicht. Es geht darum etwas zum Ausdruck zu bringen.
Natürlich kommt es dann darauf an, was die Person, die das Gesagte wahrnimmt, aus dem Gesagten macht. Als Konstruktivisten wissen wir, dass das Wahrgenommene nicht mit dem zum Ausdruck gebrachten übereinstimmt, gar nicht übereinstimmen kann. Vielleicht läuft das auf Folgendes hinaus: es wird etwas zum Ausdruck gebracht, das ist das eine, und es wird etwas wahrgenommen, das ist das andere. Die Reaktion auf das Wahrgenommene ist auch wieder etwas, das zum Ausdruck gebracht wird. Und wiederum gilt: das zum Ausdruck gebrachte ist das eine und die Wahrnehmung dessen, das zum Ausdruck gebracht wird, ist das andere. Die interessantesten Dialoge dieser Art können dann entstehen, wenn beide Beteiligten keine Rücksicht auf die möglichen Wahrnehmungen der jeweils anderen Seite nehmen.
Es geht nicht um Wahrheit, es geht um Freiheit. Es gibt keine Wahrheit, es gibt nur die Freiheit, zum Ausdruck zu bringen, was mir gerade in den Sinn kommt und was meine handwerklichen Fähigkeiten daraus machen. In einem kreativen Dialog geht es nicht darum, Dinge auszutauschen, es geht darum, Dinge zum Ausdruck zu bringen, und Dinge wahrzunehmen. Beides ist unabhängig voneinander zu verstehen. Ob ein Gedanke anregend ist oder nicht, hängt nicht vom Gedanken ab, der ursprünglich in der Person entstand, die den Gedanken zum Ausdruck bringt. Es hängt von der Wahrnehmung des Gedankens ab.