Gefängnis

Es gibt kaum einen Ort, an dem ich besser zu mir selbst finden kann, als ein Gefängnis. Natürlich sind da die Leute, die einen entsetzten Gesichtsausdruck bekommen und die ausrufen: "Fünfzehn Jahre im Gefängnis! Wie schrecklich!", wieder andere, die sagen recht nüchtern: "Fünfzehn Jahre? Die hat er verdient." Dann wieder diejenigen, die sagen: "Fünfzehn Jahre, da ist er aber billig davon gekommen." Und dann der Einwand: "Ja, aber anschließende Sicherheitsverwahrung. Da kommt er nicht mehr lebend raus."

Anfangs gefiel es mir auch nicht. Da sind die Mahlzeiten. Diese Gefängnisküche. Wie im Krankenhaus. Zerkochtes Gemüse, kleine Portionen Fleisch, Kartoffeln, Reis, Nudeln als Sättigungsbeilage. Ein Salat. Mineralwasser. Ein Pudding, manchmal ein Stück Schokolade. Ich esse, um Kalorien zu mir zu nehmen.

Und dann ist da das, was die Leute sagen. Das Gefängnis als ein Ort, der schrecklich ist, den man meidet. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass das Gefängnis für mich ein wundervoller Ort ist.

Ich fühle mich wohl hier. Ein strukturierter Tagesablauf. Keine Menschen. Meine Zelle ist mein zu Hause. Schon das Wort Zelle. Ich gehöre zu diesem Verband, diesem Zellverband. Eine Zelle von vielen. Alles ist sehr praktisch eingerichtet. Alles hat seinen Platz.

Es gibt Zeiten, da wird die Zellentür aufgeschlossen. Aber ich gehe nicht raus. Früher, so hörte ich, gab es so etwas wie Hofgang, und alle mussten raus. Das ist nicht mehr so. Und Leute, die später Sicherheitsverwahrung bekommen, müssen auch nicht mehr resozialisiert werden. Das ist mein Vorteil.

An das Essen habe ich mich gewöhnt. Es gibt Schlimmeres. Und viele Kalorien brauche ich ja nicht.


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