Angstliebe zum Internet
Warum ich das Internet liebe
1. Es ist ein demokratisches Medium, sogar ein zutiefst demokratisches Medium. Es steht allen Menschen offen. Was ich benötige, um Zugang zum Internet zu bekommen ist irgendeine Art von Computer, es kann auch ein Handy sein, und ein Vertrag mit einem Service Provider, wie zum Beispiel der Deutschen Telekom. Dann kann ich loslegen.
2. Es ist extrem umfangreich. In gewisser Weise spiegelt sich die gesamte Welt im Internet, man muss nur danach suchen, und die Suche ist noch nicht einmal besonders schwer. Da es praktisch allen möglich ist, sich am Internet zu beteiligen, finden sich auch alle im Internet wieder (fast alle).
3. Da ich das Internet jederzeit einschalten und auch wieder ausschalten kann habe ich auch eine gewisse Kontrolle. Das Internet selbst ist natürlich weitestgehend unkontrolliert, und doch kann ich selbstbestimmt durch das Internet reisen. Ich entscheide, was ich mir ansehen möchte und was nicht. Hier und da gibt es Barrieren, aber im Großen und Ganzen ist das Internet frei zugänglich. Und zumindest von Deutschland aus ist das Reisen im Internet weitestgehend uneingeschränkt möglich.
4. Ich kann im Internet sehr viele Dinge tun, ohne mit Menschen direkt interagieren zu müssen. Das erspart mir jede Menge Konflikte und es ist insgesamt sehr viel weniger anstrengend als die Auseinandersetzung mit anderen Menschen. (Das liegt natürlich daran, dass ich schon vor der Interaktion mit anderen Menschen die Befürchtung habe, es könnte zu einem anstrengenden Konflikt kommen. Meistens ist diese Befürchtung allerdings nicht berechtigt.)
5. Ich kann im Internet sehr viele Dinge tun, für die ich ohne Internet erst irgendeinen anderen Ort aufsuchen müsste, eine Bibliothek, ein Amt, einen Dienstleister, ...
Warum ich Angst vor dem Internet habe
1. Das Internet ist eine wilde Welt, eine anarchische Welt, eine Welt ohne Gesetze und ohne Polizei, die diese Gesetze durchsetzen könnte. Im Internet können alle tun, was sie wollen. Selbst Verstöße gegen bestehende Gesetze werden in den seltensten Fällen geahndet. Ein Verbrechen im Internet zu begehen ist weniger riskant als das eigene Auto in ein Halteverbot zu stellen. Und als Reisender im Internet bin ich diesen wilden anarchischen Mächten weitgehend hilflos ausgeliefert. Ich muss mich auskennen. (Da ich mich auskenne, ist es nicht ganz so gefährlich.)
2. Das Internet hängt ab von einer komplexen technischen Infrastruktur. Diese Infrastruktur ist zwar erstaunlich robust, es bleibt doch aber eine Abhängigkeit. Ohne Strom gibt es kein Internet, die Kommunikationswege sind dann abgeschnitten, versperrt.
3. Die Anwendungen die ich nutze, um Dinge im Internet zu tun, sind kompliziert. (Solange es nur um das Reisen geht, also um das reine Anschauen, ist die Angelegenheit recht einfach. Wenn es aber darum geht im Internet mit anderen Personen oder Institutionen in Interaktion zu treten, dann wird es kompliziert.) Diese Anwendungen sind mehr oder weniger unzuverlässig. Sie funktionieren manchmal aber manchmal funktionieren sie auch nicht. Und wenn Sie nicht funktionieren dann kann es passieren, dass ich vollkommen aufgeschmissen bin. Was das Internet betrifft bin ich vollkommen abhängig von diesen Anwendungen.
4. Viele Dinge lassen sich ohne Internet schon gar nicht mehr erledigen. Insbesondere der Zugang zum Internet lässt sich ohne Internet kaum noch organisieren. Die Deutsche Telekom und Vodafone haben immerhin noch eigene Ladengeschäfte. Die meisten anderen Service Provider kann ich aber außerhalb des Internets schon nicht mehr erreichen. Und das gilt für immer mehr Dinge: Versicherungen, Mitgliedschaften in Vereinen, ... Ich lebe in weiten Teilen in einer virtuellen Welt.